Rundbrief Extra Nr. 12/2009
Informationen der BAG prekäre Lebenslagen für Mitglieder und Interessierte
Herausgeber: BAG Prekäre Lebenslagen e.V.i.G.
Postanschrift: c/o Jürgen Habich, Segeberger Str. 40, 24539
Neumünster
Verantwortlich für den Rundbrief extra: Jürgen Habich
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Sie monatlich ein Passwort und können sich dort abmelden oder
Änderungen selbst vornehmen. Der Rundbrief erscheint nach Bedarf, in
der Regel ca. alle drei Wochen und ist an keine Mitgliedschaft
gebunden. Neuanmeldungen können auf der folgenden Seite vorgenommen
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https://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/bag-plesa_rundbrief_extra
D I E T H E M E N
01 Bundessozialgericht bestraft Energiesparer
02 Der 3. August ist „Zahltag“ in Wuppertal
03 Aus Rechtsprechung und Gesetzgebung
04 Aus der Vorstandsarbeit
01 Bundessozialgericht bestraft Energiesparer
Stromkostenerstattung muss auf Sozialhilfe angerechnet
werden
Kassel (AP) Erhalten Sozialhilfeempfänger zuviel gezahlte Stromkosten
von ihrem Energielieferanten zurückerstattet, verringert dieser Betrag
die Sozialhilfeleistung. Denn die Stromkostenerstattung sei als
Einkommen anzurechnen, entschied das Bundessozialgericht (BSG) in
Kassel in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil. Dies verletze
auch nicht den Gleichheitsgrundsatz.
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http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?modul=esgb&id=74094&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=
(Aktenzeichen: B 8 SO 35/07 R)
Durch dieses Urteil wird die vom Gesetzgeber eingeführte Pauschalierung unterlaufen und für diejenigen Leistungsberechtigen die den Willen haben mit dem wenigen Geld das sie zur Verfügung haben auch auszukommen ad absurdum geführt. Denn viele Menschen, die auf diese Sozialleistung angewiesen sind, haben inzwischen Angst, dass ihnen vom Energieversorger der Strom gekappt wird.
Jedenfalls scheinen die Richter in Kassel auch nicht die Gesetzesbegründungen zu kennen, mit der die Pauschalierung schon als Modellversuch in der ehemaligen Sozialhilfe dem BSHG (§ 103), eingeführt wurde - Es sollte die Eigenverantwortung der Betroffenen stärken! Was damals der Gesetzgeben für richtig erachtet hat (und was wir schon damals immer kritisiert haben), wird hier vom Bundessozialgericht auf den Kopf gestellt. Die wirkliche Bedarfsdeckung und das soziokulturelle Existenzminimum sind auf der Strecke geblieben.
Herausgekommen ist dabei im wesentlichen nur eins, die Pauschalen in der Regelleistung für Stromkosten sind viel zu niedrig und führen immer wieder zu Stromsperrungen durch die Anbieter für die Betroffenen. Nach diesem Urteil müssten dann, so die logische Schlussfolgerung, auch Stromschulden und zwar nicht als Darlehen, sondern wie die Heizkosten in vollem Umfang übernommen werden. Und gerade deshalb müssten sämtliche Energiekosten den Kosten der Unterkunft zugerechnet werden und gehören nicht in den Eckregelsatz. Denn wenn jetzt herausgekommen ist. ist eine indirekte Kürzung der Sozialhilfe durch Hintertür und kommt einer Sanktionierung für die Betroffenen gleich.
Jürgen Habich
02 Der 3. August ist „Zahltag“ in Wuppertal
Zahltag ist eine bundesweite Aktionsform unabhängiger
Erwerbslosengruppen. Zum Monatsanfang kommt es regelmäßig zu
Verzögerungen bei der Auszahlung der Leistung. Viele Betroffene kommen
dann zur ARGE, um die Überweisung des Arbeitslosengeldes oder einen
Vorschuss zu fordern.
Am Zahltag wollen wir auf die alltägliche Zumutungen für Hartz
IV-Bezieher/innen aufmerksam machen und gegen die zunehmenden
ARGE-Schikanen protestieren. Mit der Zahltagaktion soll Protest gegen
die alltägliche ARGE Entrechtung, Arbeitszwang, Sanktionen,
Sozialleistungskürzungen auf die Straße getragen werden.
Der Wuppertaler Zahltag findet am 3. Aug. von 8:00 – 13.00 Uhr vor der ARGE Bachstraße statt.
- Am Zahltag stehen wir dann für Begleitungen ins Amt zur Verfügung. Begleitungen, so genannte Beistände, verbessern den menschlichen Umgang häufig erheblich und fördern lösungsorientierte Wege bei Auseinandersetzungen mit ARGE-Mitarbeiter/innen. Oft ist mit Begleitung manches, was vorher für ausgeschlossen erklärt wurde, plötzlich möglich oder gar selbstverständlich, z.B. Soforthilfe oder die Ausgabe oder Entgegennahme von Antragsunterlagen.
- Außerdem hält sich unser Berater/innen-Team bereit, um bei
Problemen mit dem Amt zu beraten und zu helfen. Ihr könnt mit uns
Fragen zum Umgang mit der Behörde und zur Lösung von Problemen bei
der Leistungsgewährung besprechen.
„Wir wünschen uns für den Zahltag eine breite Unterstützung“ so Harald Thomé.
http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2009/Zahltag.aspx
Wir, der Vorstand der BAG Prekäre Lebenslagen, wünschen allen Aktiven in und um Wuppertal gutes Gelingen und viel Erfolg !
03 Landessozialgericht Bremen-Niedersachsen - Keine Sippenhaft bei Hartz IV
Eine erneute Niederlage vor dem Landessozialgericht erlitten hat jetzt die Bremer Agentur für Integration und Soziales (Bagis). In einem Grundsatzurteil entschieden die RichterInnen, dass es im Sozialrecht keine Sippenhaftung geben darf.
Im konkreten Fall ging es um eine alleinerziehende Mutter zweier Kinder aus Bremen-Nord, die drei Monate lang nur zwei Drittel ihrer Miete von der Bagis bekam. Nach einer wiederholten Sanktion wurden die ALG II-Leistungen für den älteren, 21-jährigen Sohn für drei Monate ganz gestrichen. Die Bagis zahlte also nur für die Mutter und das zweite, noch minderjährige Kind. Daraufhin kam es zu Mietrückständen und der Vermieter drohte mit Kündigung.
Das Sozialgericht Bremen hielt das Verfahren noch für rechtmäßig
(Aktenzeichen S 9 AS 40 / 09 ER). Nicht so das Landessozialgericht
Bremen-Niedersachsen: Da die Mutter keine Möglichkeit mehr gehabt
habe, auf das Verhalten ihres älteren Sohnes maßgeblich Einfluss zu
nehmen, dürfe die restliche Familie nicht durch die Sanktion dieses
Sohnes mitbestraft werden, so die Celler RichterInnen (L 6 AS 335 / 09
B ER). Sie folgten damit der Argumentation des Auricher Sozialgerichts
in einem ähnlichen Fall.
Der Bremer Erwerbslosenverband (BEV) sprach von einem "wegweisenden
Beschluss". Jetzt könne zumindest den "ärgsten Auswüchsen" der
behördlichen "Verfolgungsbetreuung" ein Riegel vorgeschoben werden.
Zugleich warf der BEV der zuständigen Bagis in Bremen-Nord vor, sich
"wiederholt als rigoros und gnadenlos" gegenüber Hartz
IV-EmpfängerInnen gezeigt zu haben.
Den ganzen Artikel können Sie bei der TAZ Bremen Aktuell
nachlesen
http://www.taz.de/nc/regional/nord/bremen/artikel/1/keine-sippenhaft
04 Aus der Vorstandsarbeit
Liebe Mitglieder, liebe Interessierte,
die Vorbereitungen für unser Bundestreffen laufen, ca 300 Einladungen wurden verschickt. Wenn wir von den bisher eingegangenen Anmeldungen ausgehen, so müsste dieses Bundestreffen für uns alle ein Erfolg werden. Für alle die sich noch nicht entschlossen, haben hier noch einmal der Link zur Tagung in Hannover. http://www.bag-shi.de/Aktuelles
Wir haben es geschafft: Nachdem die Förderanträge an das BMAS rausgegangen sind, haben wir jetzt am 10. September beim Bundesministerium einen Termin. Näheres werden wir auf dem Bundestreffen bekannt geben.
Für alle Mitglieder, die an einer Mitarbeit im Vorstand der BAG
Prekäre Lebenslagen interessiert sind. Am 4. September findet um 13:30
bis 16:30 findet noch eine Vorstandssitzung in Hannover vor dem
Bundestreffen statt. Diese Sitzung ist wie immer
Mitgliederoffen.
Ebenfalls möchten wir noch einmal daran erinnern, dass am Sonntag, den 6. September zum ersten Mal die Ko-Delegierten aus den Regionen zur Wahl stehen. Hier ist eine Mitgliedschaft in der BAG Prekäre Lebenslagen e. V. nicht unbedingt Voraussetzung.
Jürgen
Briefe – Meinungen - Positionen
Wir bitten alle Leserinnen und Leser um Zuschriften – Die Meinungen und Geschehnisse an der Basis sind uns wichtig. Der Text sollte ca. 30 Zeilen nicht wesentlich überschreiten Zuschriften bitte direkt an die Absenderadresse habichj(at)t-online.de senden.
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Anregungen zum Rundbriefes extra, sofern sie redaktionell machbar
sind, nehmen wir gerne entgegen.