Rundbrief Extra Nr. 04/2010
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D I E T H E M E N
- Erinnerungsaufruf zur Demonstration am 20. Mäez 2010 nach Essen!
- Arbeitspapier 'Kommunale Aktivitäten zum Sanktionsmoratorium'
- Etatküzungen gefährdet Reform der Jobcenter Ausläser eines Streites zwischen Regierungskoalition und SPD ist
- Lesestoff für einen Lesezirkel 'Der Aufstand der Armen - Ein Plädoyer für Unruhe, Unordnung und Protest'
- Widerspruch e.V. in Bielefeld hat zur Aktualisierung seines Leitfadens "Wie sichere ich meinen Lebensunterhalt -
- Jeder zehnte Aufstocker arbeitet für den Staat
1. Erinnerungsaufruf zur Demonstration am 20. März 2010 nach Essen!
2. Arbeitspapier „Kommunale Aktivitäten zum Sanktionsmoratorium“
Ihr erinnert euch: Am 22./23. Januar 2010 fand in Lage-Hörste die
Tagung „Gemeinsam Stärke entwickeln“ statt. Die KOS
(Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen) und
weitere Erwerbslosenorganisationen, darunter auch die BAG PLESA, hatten
eingeladen und Vertreter/innen aus 75 Erwerbsloseninitiativen aus ganz
Deutschland waren gekommen. Zur Tagung bzw. als Ergebnis der Tagung
liegen inzwischen zahlreiche interessante Berichte und weiterführende
Beiträge vor, die wir unseren Leser/innen empfehlen wollen:
http://www.erwerbslos.de/aktivitaeten/454-ergebnisse-der-vernetzungs-tagung.html
An dieser Stelle möchten wir all diejenigen, welche Forderung nach
einem Hartz-IV-Sanktionsmoratorium als sinnvoll erachten oder diese
Forderung bereits tatkräftig unterstützen - sei es durch
Unterschriftensammlungen, sei es durch Gespräche mit Verantwortlichen
vor Ort o.a. - auf eine Arbeitshilfe aufmerksam machen, die zahlreiche
Tips und Anregungen zu der Frage enthält: „Wie auf kommunaler Ebene
die Forderung nach einem Sanktionsmoratorium voran gebracht werden
kann“. Die Arbeitshilfe basiert im wesentlichen auf den Ergebnissen
der Tagungs-AG „Kommunale Aktivitäten zum
Sanktionsmoratorium“.
Ihr findet sie hier:
http://www.erwerbslos.de/images/stories/dokumente/aktivitaeten/arbeitshilfe_santionsmoratorium.pdf
Es wäre toll, wenn ihr zur Verbreitung der Arbeitshilfe beitragen könntet, so dass sich überall Menschen ermuntert fühlen, durch kleine und größere Aktivitäten die Forderung nach Aussetzung des Sanktionsparagrafen zu unterstützen.
3. Etatkürzungen gefährdet Reform der Jobcenter
Auslöser eines Streites zwischen Regierungskoalition und SPD ist ein Beschluss der schwarz- gelben Haushälter den Etatansatz für Förderprogramme und Verwaltungskosten bei Hartz IV faktisch um bis zu acht Prozent gegenüber der Regierungsvorlage zu kürzen. Von elf Mrd. Euro sollen 900 Mio. Euro vorerst gesperrt werden. Ziel sei es, auf einen effizienten Mitteleinsatz hinzuwirken, hieß es.
Parallel dazu bestehen wegen der unsicheren Konjunktur einige Risiken bei den Ausgaben für das Arbeitslosengeld II. Hierfür sind jetzt 23,9 Mrd. Euro eingeplant. Bereits in früheren Jahren waren jeweils Teile des Förderetats für diesen Posten umgewidmet worden. Die Jobcenter betreuen etwa 6,7 Millionen Hilfebedürftige.
Die SPD wehrt sich gegen die Pläne und droht mit Konsequenzen für
eine geplante Verfassungsänderung. "Ohne ausreichend Personal und
Mittel für aktive Arbeitsmarktmaßnahmen kann die Reform der Jobcenter
nicht erfolgreich sein". SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil Infolge der
geplanten Etatkürzung würden etwa 100 Jobcenter-Arbeitsgemeinschaften
mit hohen finanziellen Festlegungen "voraussichtlich in der zweiten
Jahreshälfte nicht mehr handlungsfähig sein", schrieb die BA in einem
internen Vermerk. Eine Unterdeckung bei den Verwaltungskosten werde
zudem einen massiven Personalabbau in den Jobcentern erzwingen.
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/hartz-iv-krach-um-etatkuerzungen-gefaehrdet-reform-der-jobcenter;2540739
4. Lesestoff für einen Lesezirkel „Der Aufstand der Armen“ Ein Plädoyer für Unruhe, Unordnung und Protest
In Berlin fand eine politisch anregende Veranstaltung mit Christian Frings statt. Diese Veranstaltung basiert auf wesentlichen Thesen des Buchs "Aufstand der Armen" von Frances Fox Piven und Richard A. Cloward, das in der deutschsprachigen Übersetzung 1986 erschien.
Das Buch bietet für alle Aktiven in kollektiven Zusammenhängen und in sozialen Bewegungen eine Anregung darüber nachzudenken, wo/wie Erfahrungen von Solidarität in unserer Alltagspraxis entstehen kann. In dem Buch machen sich Piven und Cloward auch Gedanken dazu wie es passieren kann, dass Organisationen ihr politisches Ziel verlieren. Welche Kraft fließt in den Aufbau und Erhalt von Organisationen. Wie gewinne ich Menschen und wie binde ich diese Menschen an Organisationen. Der Staat kann Organisationen Geld, Einladungen, juristische Rahmenbedingungen zu Verfügung stellen. Warum er dies tut, sollte von uns immer diskutiert werden.
Das Buch ist aktuell oder könnte in den nächsten Monaten noch aktueller werden, weil es die Frage aufwirft, wie eine ressourcenschwache Bewegung, wie Erwerbslosen- Initiativen, politisch intervenieren können. Das Buch ist leider nur noch antiquarisch erhältlich und im Internet lesbar.
5. Ergänzungen zum Buch "Wie sichere ich meinen Lebensunterhalt"
Widerspruch e.V. in Bielefeld hat zur Aktualisierung seines Leitfadens "Wie sichere ich meinen Lebensunterhalt - Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Grundsicherung" - Auflage 2008 - ein neues Ergänzungsblatt aufgelegt. Dieses 3. Ergänzungsblatt enthält neben den Änderungen und Ergänzungen, die sich Anfang 2010 ergeben haben, auch alle Änderungen, die bereits im 1. und 2. Ergänzungsblatt enthalten waren.
Für 2010 wird insbesondere auf folgende Änderungen hingewiesen:
- Atypische Sonderbedarfe (nach Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 9.2.2010)
- Zusatzbeiträge einiger Krankenkassen
- Regelsatzkürzung bei Krankenhausaufenthalt von SGB XII-Beziehern
- Erhöhung von Kindergeld, Unterhaltsvorschuß und Kindesunterhalt
Das Ergänzungsblatt kann als PDF-Dokument von der Internetseite (Download) des Vereins heruntergeladen werden: www.bi-buergerwache.de/html/widerspruch.html.
Gegen Übersendung eines mit 85 cent frankierten Din-A-5-Rückumschlages wir das 16-seitige Ergänzungsheftchen von Widerspruch e.V. auch versandt.
Widerspruch e.V. - Sozialberatung
Rolandstr. 16 -
33615 Bielefeld - Tel.
0521 - 13 37 05
widerspruchev@web.de
Gemeinnütziger eingetragener Verein seit 1986 -
Amtsgericht Bielefeld VR 2340
6. Jeder zehnte Aufstocker arbeitet für den Staat
Wegen der Löhne unterhalb des Existenzminimums stehen meist private Unternehmen am Pranger. Doch eine Anfrage an die Bundesregierung zeigt: Arbeitnehmer, die trotz Arbeit auf Hartz IV angewiesen sind, arbeiten häufig im öffentlichen Dienst.
Demnach beziehen 131.722 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im öffentlichen Dienst zusätzlich Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitssuchende. Ihr Tätigkeitsbereich umfaßt die öffentliche Verwaltung, das Bildungs- und Sozialwesen sowie die Entsorgungswirtschaft. Insgesamt liegt die Zahl der so genannten Aufstocker nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bei 1,37 Millionen.
Kritiker des Niedriglohnsektors fordern seit langem die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns. Dieser soll auch einen ausreichenden Abstand zu den Hartz-IV-Sätzen garantieren, deren Höhe das Bundesverfassungsgericht Anfang Februar verworfen hatte. Gegner von Mindestlöhnen warnen hingegen, diese würden zum Verlust von Arbeitsplätzen führen.
Dipl. rer. soc. Norbert Hermann; Politik- und Sozialberatung; Medizinsoziologie; Existenzgründungsberatung