Rundbrief Extra Nr. 02/2010
Informationen der BAG prekäre Lebenslagen für Mitglieder und Interessierte
Herausgeber: BAG Prekäre Lebenslagen e.V.i.G.
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Verantwortlich für den Rundbrief extra: Jürgen Habich
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der Regel ca. alle drei Wochen und ist an keine Mitgliedschaft
gebunden.
Neuanmeldungen können auf der folgenden Seite vorgenommen werden https://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/bag-plesa_rundbrief_extra
D I E T H E M E N
- Das EU-Jahr gegen Armut und Ausgrenzung hat begonnen – so nicht mit uns!
- Bundestreffen in alter Tradition
- Karlsruhe urteilt am 9. Februar über «Hartz IV»-Regelsätze.
- Tagung der Erwerbslosenverbände in Lage-Hörste - Nachlese
- Panne bei der BA – Rückforderungen durch Kindergelderhöhung
- Spendenaufruf und Eigenmittel
1 Das EU-Jahr gegen Armut und Ausgrenzung hat begonnen
Massive Kritik an der Vergabe von Fördermitteln zum Europäischen
Jahr 2010
Führende deutsche Wohlfahrtsverbände kritisieren ein
Aktionsprogramm des Bundessozialministeriums für bedürftige Menschen.
Dabei geht es um die Verwendung von etwa 2,3 Millionen Euro an EU- und
Bundesmitteln, die im Rahmen des für 2010 ausgerufenen "Europäischen
Jahrs zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung" zur
Verfügung stehen.
Es sei "kein klares Signal" im Kampf gegen Armut, wenn nur etwas mehr als die Hälfte des Geldes in konkrete Projekte zum Beispiel für Kinder und Behinderte investiert werde, sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Mit der anderen Hälfte des Geldes wird die Arbeit einer von der EU engagierten privaten Agentur bezahlt, die sich zum Beispiel um die Öffentlichkeitsarbeit oder die Organisation einer Abschlussveranstaltung kümmert. So werden von fast 850 deutschen Projekten, die um eine Unterstützung gebeten haben, wohl nur knapp 40 zum Zuge kommen.
Vertreter der Caritas zeigten sich zudem irritiert darüber, welche Projekte das Haus von Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) für eine Förderung vorsieht. Am meisten überzeugte das Ministerium ein Programm der Spastikerhilfe Berlin. Dabei sollen behinderte Menschen über Tanzvorführungen in Fußgängerzonen mit nicht behinderten Menschen ins Gespräch kommen. Zudem kommen etliche Projekte zum Zuge, die armen Menschen helfen sollen, mit ihrem Geld besser zurechtzukommen, zum Beispiel ein Programm zum Thema "Gesunde Ernährung, auch mit wenig Geld". So werde der weitverbreiteten Meinung, dass Hartz-IV-Empfänger nicht mit Geld umgehen können, unnötig Vorschub geleistet, kritisierte eine Caritas-Mitarbeiterin.
http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,669763,00.html
Als Mitglied der Nationalen Armutskonferenz können wir uns
dieser Kritik nur anschließen. Ein solches Denken und Handeln
widerspricht auch den Inhalten der Nationalen Armutskonferenz (nak) zum
Europäischen Jahr, die auf der letzten Arbeitssitzung der nak
beschlossen wurden. Wir halten Sie hierzu weiter auf dem
Laufenden.
Jürgen Habich, Delegierter der Nationalen Armutskonferenz
Nationale Armutskonferenz wirft Regierung Defizite vor
Die Nationale Armutskonferenz hat der Bundesregierung Defizite in der Sozialpolitik vorgeworfen. Eine „strategische Armutsbekämpfung“ sei im Koalitionsvertrag nicht zu erkennen. Das sagte der Sprecher der Organisation, Pfarrer Wolfgang Gern, in Baden-Baden mit Blick auf das „Europäische Jahr 2010 gegen Armut und soziale Ausgrenzung“. Die Zahl der Armen und Niedriglöhner dürfe nicht weiter steigen. Nach Angaben der Nationalen Armutskonferenz sind drei Millionen Kinder und junge Menschen unter 18 Jahren in Deutschland von Armut betroffen. Ihre Zahl hat sich seit 2004 verdoppelt.
http://www.domradio.de/news/artikel_60054.html
2 Bundestreffen in alter Tradition
Förderungszusage ermöglicht der BAG Prekäre Lebenslagen das Treffen wieder Chisti Himmelfahrt.
Das neue Jahr hat für alle Aktiven der BAG viel Arbeit gebracht,
jedoch bedeutet es einen wichtigen Wendepunkt für uns alle gebracht.
Seit Beginn des Neuen Jahres, pünktlich zum Beginn des Europäischen
Jahres gegen Armut und Ausgrenzung, werden wir durch das
Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert. Damit steht
unserem Bundestreffen zu Himmelfahrt nichts mehr im Wege.
Damit sich alle unsere Mitglieder und Interssierten darauf einstellen
können:
Das Treffen findet vom 13. bis 16. Mai in der Jugendherberge
Düsseldorf statt.
http://www.jugendherberge.de/de/jugendherbergen/visitenkarte/jh.jsp?IDJH=442
Voraussichtliche Themen: u.a, KdU/rechtlicher Umgang mit Pauschalierungen, Rechtsdurchsetzung, Umgestaltung der Job-Center. Tenor des Treffens wird vorraussichtlich die Zerlegung/Filetierung und Auflösungserscheinungen von ‚Hartz IV’ (ARGEn, Regelsätze, Pauschalierung KdU) und die Darstellung der Auswirkungen auf die Betroffenen.
3 Karlsruhe urteilt am 9. Februar über «Hartz IV»-Regelsätze
Karlsruhe/Berlin (ddp). Das Bundesverfassungsgericht wird am
9. Februar sein mit Spannung erwartetes Urteil zu den
«Hartz-IV»-Regelsätzen verkünden. Das teilte das Gericht am Freitag
in Karlsruhe mit. Unterdessen verschärfte sich die von der
«Bild»-Zeitung und vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch
(CDU) angestoßene Debatte über angeblich faule
«Hartz-IV»-Empfänger.
Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer mahnte am Freitag zu einem «würdigen Umgang» mit Menschen, die ihre Arbeit verloren haben. Hierüber sollte es einen «gesellschaftlichen Konsens» geben, sagte er. Als «bodenlose Frechheit» bezeichnete DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach die Ansicht, dass «Hartz IV» eine bequeme Hängematte sei, in der man faul werde. Anstatt den Schwächsten «kollektives Schmarotzertum» zu unterstellen, müsse alles dafür getan werden, Arbeitslose individuell zu qualifizieren.
Die «Bild»-Zeitung hatte ihren umstrittenen Bericht unter der
Überschrift «Macht ´Hartz IV´ faul?» am 19. Januar
veröffentlicht. Koch hatte gefordert, jedem «Hartz-IV»-Empfänger
müsse abverlangt werden, als Gegenleistung für staatliche
Unterstützung eine Beschäftigung auszuüben. Niemand dürfe das Leben
mit «Hartz IV» als angenehme Variante ansehen. Buntenbach betonte,
bereits heute müssten Arbeitslose jeden Job auch weit unter Tarif bis
zur Grenze der Sittenwidrigkeit annehmen.
Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband erhob Vorwürfe gegen
«Bild». Die Berechnungen, die die Zeitung veröffentlicht habe, seien
allesamt falsch und in der deutlichen Absicht manipuliert, Stimmung
gegen «Hartz IV»-Bezieher zu machen, erklärte der Verband in Berlin
mit. «Bild» wollte sich auf ddp-Anfrage zunächst nicht äußern und
die Berechnungen überprüfen.....
Weiterlesen >>>
http://www.open-report.de/artikel/Karlsruhe+urteilt+am+9.+Februar+%C3%BCber+%C2%ABHartz+IV%C2%BB-Regels%C3%A4tze/35317.html
4 Erwerbslosen-Tagung „Gemeinsam Stärke entwickeln!“ - Nachlese
Die Koordinierungstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen
(KOS) hatte aus allen Regionen der Republik zur Tagung nach
Lage-Hörste geladen. Ziel sollte es sein, die Gemeinsamkeiten der
Verbände und Einzelinitiativen wie ver.di-Erwerbslose, Aktionsbündnis
Sozialproteste (ABSP), Erwerbslosenforum und die BAG Prekäre
Lebenslagen auf gemeinsamen Zielsetzungen und Gegenstrategien im Kampf
gegen den Sozialabbau zu Einen.
So sollten wissenschaftliche Vorträge allen Anwesenden Anregungen
geben, wie hier gemeinsame Forderungen in den Arbeitsgruppen u.a. wie
Ämterbegleitung und Beratung, Regelsätze und Unterkunftskosten aber
auch der Umbau der Jobcenter und eine zukünftige Arbeitsmarktpolitik
zu bewerten sind.
Obwohl am Anfang der Tagung noch diese gemeinsame Zielsetzung im Vordergrund stand, wurde zu meinem Bedauern, von bestimmten Kreisen aus dem ABSP, diese in den Arbeitsgruppen herausgearbeiteten Gemeinsamkeiten wieder in Frage gestellt. Wie immer ging es mal wieder um die Profilierung einzelner und um eine festgeschriebene Forderung in der Höhe der Regelsätze, obwohl jeder der Anwesenden wusste, dass hier das Bundesverfassungsgericht am 9. Februar einen entscheidenden Einfluss haben wird.
Ich persönlich bedauere, dass es hier einigen Anwesenden nur noch
um die Höhe des Geldes ging und nicht mehr um die Durchsetzung der
gesellschaftlichen Rechte der Betroffenen selbst. Solange die einzelnen
Organisationen sich untereinander nur als Konkurrenten sehen und nicht
in den Grundforderungen mit einer Stimme sprechen, werden Erwerbslose
immer die Verlierer sein. Eine zum jetzigen gestellte Forderung nach
500 Euro Eckregelsatz durch Mangelernährung muss deshalb ins Leere
gehen. Eine gemeinsame Forderung nach Beteiligung der Erwerbslosen am
gesellschaftlichen Leben, statt Ausgrenzung wäre jetzt die richtige
Antwort.
Da auch mir die genauen Ergebnisse noch nicht vorliegen, sollten
alle erst einmal abwarten und die aufgeworfenen Fragen refektieren.
Diese Aufarbeitung kann noch einige Zeit dauern. Ich denke aber, ein
Neuanfang der Erwerbslosenbewegung wurde gemacht und muss an den
Ergebnissen in den einzelnen Organisationen weiter diskutiert und
umgesetzt werden. An dieser Stelle muss aber auch hervorgehoben werden,
das die Tagung wegen der Fülle der Themen, organisatorisch
hervorragend gemeistert wurde. Leider war die Zeit für eine solche
Tagung mal wieder viel zu kurz.
Jürgen Habich
5 Panne bei der BA – Rückforderungen durch Kindergelderhöhung
Viele müssen Teil von Hartz IV zurückzahlen, so ein Bericht
der Financial Times.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) muss in vielen Fällen Kleinbeträge von Hartz-IV-Beziehern zurückfordern. Dieser bürokratische Aufwand entstehe im Zusammenhang mit der Erhöhung des Kindergeldes zum 1. Januar 2010. Einen entsprechenden Bericht der «Süddeutschen Zeitung» (SZ/Samstag) bestätigte am Freitag ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit. Die Bundesregierung habe versäumt, das Sozialrecht anzupassen, schreibt das Blatt.
SZ-Angaben, wonach mehrere Hunderttausend Hartz-IV-Empfänger davon
betroffen sind, konnte der Sprecher nicht bestätigen. Er räumte aber
ein, der mit der Rückforderungen verbundene Aufwand sei immens. Die
Familien erhielten nun einen Rückforderungsbescheid über jeweils 20
Euro pro Kind.
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:viele-muessen-teil-von-hartz-iv-zurueckzahlen/50064437.html
Rückfordungsbescheide prüfen und Widerspruch einlegen.
Hartmut Kilger, Fachanwalt für Sozialrecht ehemaliger
Präsident des Deutschen Anwaltvereins e.V. (DAV) sagte in der
TAGESSCHAU am 23.01.2010:
„ ... die deutsche Rechtsordnung darauf, dass Bescheide, die
vorliegen, Bestand haben sollten und der Bürger darauf vertrauen
könne, dass sie nicht einfach zurückgenommen werden können. Ein
entsprechender Vertrauensschutz sei im Sozialgesetzbuch 10 verankert.
Zweitens verhindere eine Vorschrift zur Entreicherung im Bürgerlichen
Gesetzbuch die einfache Rückforderung des Geldes (Zweites Buch,
Paragraph 818, Absatz III)".
Darin heißt es: "'Die Verpflichtung zur Herausgabe des Wertes
ist ausgeschlossen, soweit der Empfänger nicht mehr bereichert ist.'
Wer das Geld nicht mehr habe und darauf vertraut habe, dass es seins
war, der müsse nicht zurückzahlen", so Kilger. Entsprechend
verwies er für Empfänger von Rückzahlbescheiden auf die
Möglichkeit, innerhalb von vier Wochen Widerspruch einzulegen. Die
Bundesagentur für Arbeit müsse dann jeden Einzelfall prüfen.
http://www.tagesschau.de/inland/hartziv120.html
6 Spendenaufruf und Eigenmittel
Liebe Interessierte, liebe Mitglieder und Leser vom Rundbrief
extra,
wie Ihr alle wisst, liegt uns ein Zuwendungsbescheid von 60.000 Euro
vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales vor. Um diesen
Zuwendungsbescheid auch umsetzen zu können, benötigen wir noch einige
Euro an Eigenmitteln (ca. 2.500 Euro).
Ich möchte deshalb alle hier Angesprochenen, uns durch eine Spende
zu unterstützen. Jeder Euro zählt. Wenn jeder einen kleinen Betrag
auf unser Konto überweist wäre wir hier schon ein gutes Stück
weiter. Jede Spende, ist egal in welcher Höhe, bringt uns der
Einrichtung einer Geschäftsstelle ein Stück näher. Bis jetzt ist
geplant die Geschäftsstelle wieder im Raum Frankfurt
anzusiedeln.
Unsere Mitglieder bitte ich die Mitgliedsbeiträge für das Jahr
2010, schon jetzt umgehend Ihre Mitgliedsbeiträge zu überweisen,
anderenfalls werden wir der Mitgliederversammlung auf dem nächsten
Bundestreffen empfehlen die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen, was nicht
gerade auf eine große Resonanz, bei den Mitgliedern stoßen wird, die
schon jetzt damit anfangen werden für das nächste Bundestreffen in
Düsseldorf die Fahrkosten und Teilnehmerbeiträge anzusparen. Denn
auch das sind Eigenmittel, die wir benötigen, um unsere Projekte
umsetzen können.
Nachfolgend noch hierfür noch unsere Kontodaten:
BAG-PLESA - Kontoverbindung: Bank für Sozialwirtschaft -
Kontonummer 9438 800 - Bankleitzahl 251 205 10
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Briefe – Meinungen - Positionen
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