Pressemitteilung: Treffen von Erwerbsloseninitiativen aus dem Bundesgebiet in Bad Hersfeld: Neuorganisation der ‚Hartz IV’-Organisation als Thema
Unter dem Motto „Menschenwürde statt Verwaltung“ findet vom 1.-4.5. das Bundestreffen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiativen e.V. BAG-SHI in der Jugendherberge in Bad Hersfeld (Hessen) statt.
Im Mittelpunkt des Treffens unabhängiger Erwerbslosen- und Sozialhilfeorganisationen in Jugendherberge in der Lutherstraße 2 steht dabei die nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil vom 20.12.2007 notwendig gewordene Neuorganisation der ‚Hartz IV’-Verwaltung.
In seinem Urteil hatte das Bundesverfassungsgericht die bestehende
Form der Zusammenarbeit von Kommunen und der Bundesagentur für Arbeit
in so genannten Arbeitsgemeinschaften (ARGEn) bzw. Jobcentern als mit
der Verfassung nicht
vereinbar erklärt und dem Gesetzgeber einen zeitlichen Rahmen bis 2010
vorgegeben, um eine verfassungsfeste Neuorganisation zu gestalten.
Vertreter der Großen Koalition streben eine Neuordnung der ARGEn bzw.
Job-Center bis spätestens Ende 2008 an, das Bundesministerium für
Arbeit und Soziales hat bereits einen in der Großen Koalition
umstrittenen Entwurf für die Neuorganisation unter dem Stichwort
‚Kooperative Jobcenter’ vorgelegt.
Unionskreise fordern vielfach eine Kommunalisierung sozialer
Leistungen und die Dezentralisierung der Sozialverwaltung.
Vertreter des Deutschen Landkreistages, der im Namen mehrerer
Landkreise das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes erwirkt hatte,
haben bereits angekündigt, erneut gegen das Modell der ‚Kooperativen
Jobcenter’ zu klagen.
„Im Mittelpunkt unseres Treffens werden Rahmenbedingungen für
eine Neuorganisation der Sozial- und Arbeitslosenverwaltung stehen. Die
derzeitigen Zustände auf den Jobcentern sind für auf Sozialleistungen
angewiesene
Menschen nicht tragbar“ so Andreas Geiger, Vorsitzender der BAG-SHI.
„Allerdings warnen wir aufgrund der bisherigen Vorschläge zu einer
Neuorganisation der Jobcenter vor weiteren Verschlechterungen für die
Menschen: Die bisherigen Vorschläge führen den Gedanken der
notwendigen Betreuung aus einer Hand ad absurdum und werfen große
rechtliche Fragen auf.
Hier wollen wir eindeutige Forderungen artikulieren und diese auf der
Sonderkonferenz der Landesarbeits- und Sozialminister am 9. Mai
einbringen. Grundsätzlich gehört ‚Hartz IV’ insgesamt auf den
Prüfstand, nicht nur die Organisation der Verwaltung der Menschen“,
so Geiger.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Erwerbslosen-
Sozialhilfeinitiativen (BAG-SHI) besteht seit 1991 als bundesweite
Interessenvertretung von und für Menschen im Sozialleistungsbezug und
Dachverband unabhängiger Erwerbslosen- und
Sozialhilfeinitiativen.
Nach Informationen der Bundesagentur für Arbeit sind derzeit
bundesweit 6,8 Millionen Menschen in 3,5 Millionen
Bedarfsgemeinschaften auf Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II
(‚Hartz IV)’ und damit zu geringe Absicherungsleistungen
angewiesen.
Andreas Geiger
Vorsitzender BAG-SHI