Pressemitteilung: Armutszeugnis statt Kostenexplosion
Diese Stellungnahme wurde am 28.05.2006 auf dem Abschlussplenum des BAG-SHI-Bundestreffens verabschiedet und am selben Tag herausgegeben
Herunterladen
als Pdf-Datei (75 kb)
Armutszeugnis statt Kostenexplosion
Vom 25. bis 28. Mai 2006 fand in Naumburg an der Saale das diesjährige Bundestreffen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiativen e.V. (BAG-SHI) statt. Breiten Raum nahmen in den Beratungen der Entwurf des Arbeitslosengeld II-Fortentwicklungsgesetzes und die begleitenden Forderungen der kommunalen Spitzenverbände, aus Teilen der Wohlfahrtsverbände und der Parteien ein, die Leistungen für Erwerbslose weiter zu senken. „Hier soll Menschen, die keine Arbeit haben, vollends der Boden unter den Füßen weggezogen werden“, so Andreas Geiger, Vorsitzender der BAG-SHI.
Auf besondere Empörung stießen die Äußerungen führender
Koalitionspolitiker, Leistungskürzungen würden wegen der
„explodierenden“ Kosten für Hartz IV notwendig. „Eine Kostenexplosion
findet nicht statt.“, stellten die 80 Vertreter/-innen von Initiativen
und Beratungsstellen fest. Das bis Dezember 2004 in Kraft gewesene
Sicherungssystem aus Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe hätte in den
Jahren 2005 und 2006 35,5 beziehungsweise 37,3 Milliarden Euro
gekostet. Dass die von der Bundesregierung veranschlagten Kosten weit
darunter lagen, beruhe auf einer empirisch nicht haltbaren und damit
unsoliden Haushaltplanung. Es sei leicht vorauszusehen gewesen, dass
die Zahl der Menschen, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind,
ständig steigt. Denn der Rückgang von Arbeits- und Ausbildungsplätzen
hält an. Die Bezugsdauer für Arbeitslosengeld I ist seit Februar 2006
verkürzt. Immer mehr Menschen arbeiten zu Löhnen, von denen sie und
ihre Familien nicht leben können. Ehemalige Bezieher von
Arbeitslosenhilfe haben ihre Ersparnisse, von denen sie zunächst leben
mussten, inzwischen aufgebraucht. Die so genannte Zunahme von
Bedarfsgemeinschaften ist für die BAG-SHI eine Leerformel. Dazu
Geiger:„Vor Hartz IV hat niemand ‚Bedarfsgemeinschaften’ gezählt. Jetzt
reden plötzlich alle davon und versuchen so, von einer verfehlten
Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik abzulenken.“
Frank Jäger